Manchmal entstehen die spannendsten Projekte nicht aus einem Briefing, sondern aus einer ganz persönlichen Notwendigkeit.
Bei mir war es das: Ich bin über 50, ich trainiere gerne – aber ich will es klug tun. Basketball auf dem Freiplatz, Kraft und Calisthenics, Yoga, dazu ab und zu Joggen und Meditation. Alles ohne Fitnessstudio, mit möglichst wenig Equipment, und mit einem Körper, der nach diversen Verletzungen Rücksicht verdient statt Ansagen wie „no pain, no gain“. Meine Leitidee dafür ist die 70-%-Philosophie: nicht ans Limit gehen, sondern konstant im nachhaltigen Bereich bleiben. Weniger Ego, mehr Kontinuität, mehr Spaß.
Für so ein Training habe ich lange nach einer passenden App gesucht. Alles, was ich fand, war entweder auf ein einzelnes Sportsegment zugeschnitten, auf Fitnessstudio-Logik gebaut oder so vollgestopft mit Funktionen, dass es auf dem Basketballplatz keinen Spaß mehr macht, das Handy überhaupt anzufassen. Also habe ich beschlossen, mir das Werkzeug Stück für Stück selbst zu bauen: eine eigene kleine Progressive Web App namens Move.
Vier Trainingswelten, ein Werkzeug
Was als einfache Tracking-Idee begann, ist inzwischen ein kleines, funktionierendes System geworden. Die App unterscheidet vier Session-Typen, die jeweils so gestaltet sind, wie es die jeweilige Sportart tatsächlich braucht – nicht wie ein generisches Formular es vorgibt:
- Basketball – ein detailliertes Template mit einzelnen Blöcken, weil ein Basketball-Workout aus mehreren unterschiedlichen Phasen besteht.
- Jogging – bewusst minimal, im Grunde ein reiner Timer. Beim Laufen will ich nicht tippen, ich will laufen.
- Meditation – aktuell für die stille Praxis, mit Vorbereitung für spätere geführte Sessions.
- Kraft & Mobility – vorgegebene Übungen mit mehreren Sätzen, für den Teil des Trainings, der Struktur und Wiederholung braucht.
Dazu kommt ein Live-Session-Timer für die gesamte Einheit sowie ein Einzel-Timer für Elemente wie Planks, wo Sekunden zählen. Ein Dashboard zeigt die letzten Sessions und ihren Typ auf einen Blick, eine Statistik-Übersicht wertet nach Trainingstyp, Volumen und subjektivem Gefühl aus. Und weil Motivation an manchen Tagen genauso wichtig ist wie Struktur, taucht auf dem Dashboard auch das ein oder andere motivierende Zitat auf.

Klein und schlank statt vollgepackt
Das vielleicht wichtigste Designprinzip war Zurückhaltung. Die App sollte responsiv sein, minimalistisch, mit großen Touch-Flächen – kurz: etwas, das man mit verschwitzten Händen mitten auf dem Basketballplatz noch sinnvoll bedienen kann, ohne aus dem Rhythmus zu kommen. Kein Funktionsfeuerwerk, sondern genau das, was für dieses eine Training gebraucht wird.
Technisch läuft Move als klassische PHP/MariaDB-Lösung auf einer eigenen Subdomain – bewusst unkompliziert gehalten, damit sich schnell iterieren lässt. Als Progressive Web App lässt sie sich auf dem Homescreen installieren, ganz ohne App-Store-Umweg. Ein Login-System sorgt für persönliche Sessions, sodass der eigene Trainingsverlauf sauber getrennt bleibt.
Entwickelt im Alltag, nicht am Reißbrett
Entstanden ist die App nicht in einem großen Wurf, sondern in vielen kleinen Iterationen – jedes Mal nach echtem Feedback aus der Praxis. Wenn ein Timer auf dem Platz unpraktisch saß oder ein Formularfeld beim Joggen einfach zu viel verlangte, wurde es angepasst. Der Fokus lag dabei konsequent auf Nachhaltigkeit und Freude am Training statt auf Härte um der Härte willen. Genau diese Praxisnähe – bauen, testen, direkt im echten Training verwenden, wieder anpassen – ist für mich der eigentliche Kern des Projekts.
Der eigentliche Clou: Wie diese App entstanden ist
Was mich an diesem Projekt fast noch mehr interessiert als die App selbst, ist die Art, wie sie entstanden ist. Ich habe keine Zeile Code selbst geschrieben – und trotzdem ist Move zu hundert Prozent meine App. Der Ablauf war eigentlich immer derselbe: Ich hatte die Idee, die KI – in diesem Fall unter anderem Grok – hat daraus Code gemacht. Ich habe getestet, auf dem Basketballplatz, beim Joggen, in der Kraftsession, und das Feedback zurückgespielt. Die KI hat optimiert. Wieder testen, wieder Feedback, wieder anpassen. Iteration für Iteration ist so aus einer einfachen Tracking-Idee ein kleines, funktionierendes System geworden.
Man muss diesen Prozess so nicht führen, klar – man kann eine KI auch einfach machen lassen. Aber wenn man etwas wirklich Individuelles will, ist genau dieser iterative Dialog aus meiner Sicht der richtige Weg: Idee, Umsetzung durch die KI, echtes Testen, Feedback, nächste Runde. Das ist in der Branche gerade dabei, der neue Standard zu werden – auch wenn es noch gar nicht so lange her ist, dass überhaupt so gearbeitet werden konnte. Mittlerweile hat man teils mehrere KIs oder Agenten gleichzeitig im Einsatz und arbeitet mit ihnen fast wie mit einem kleinen Entwicklerteam, nur direkter und viel schneller am eigenen Bedarf orientiert.

Was das eigentlich bedeutet
Was mich daran am meisten fasziniert, ist der Blick nach vorn. Früher hat man für ein Problem wie „ich will mein Training vernünftig tracken“ eine fertige App im App Store gesucht, ein paar ausprobiert und sich mit dem Kompromiss zufriedengegeben, der am wenigsten gestört hat. Der Trend geht heute – und wird meiner Einschätzung nach in Zukunft noch deutlich stärker – dazu, sich die passende App einfach selbst zu bauen. Mit einer KI als Entwicklungspartner an der Seite ist das inzwischen für wirklich individuelle Anwendungsfälle machbar, nicht mehr nur für große Softwarefirmen mit eigenen Entwicklerteams.
Das bringt handfeste Vorteile mit sich: eine App, die exakt zu den eigenen Bedürfnissen passt statt zum kleinsten gemeinsamen Nenner eines Millionenpublikums. Mehr Datenschutz, weil die eigenen Daten auf der eigenen Infrastruktur liegen statt bei einem fremden Anbieter. Und häufig auch geringere Kosten, weil kein monatliches Abo für eine App fällig wird, von der man ohnehin nur einen Bruchteil der Funktionen nutzt.
Natürlich wird es weiterhin gute Gründe geben, auf große, etablierte Anbieter zu setzen – nicht jede App braucht diesen Weg, und nicht jeder hat Lust oder Zeit, sich mit einer KI durch mehrere Iterationsrunden zu arbeiten. Aber Move zeigt für mich ziemlich gut, wohin die Reise geht: individuelle, selbst entwickelte Werkzeuge statt Software von der Stange – nicht mehr kaufen, sondern selbst bauen.
Wo das Projekt heute steht
Move ist aktuell in einer funktionierenden Alpha- bzw. fast schon Beta-Version im Einsatz – kein fertiges Produkt, sondern Work in Progress, das im Alltag wirklich genutzt wird: nicht als Demo, sondern als tatsächliches Werkzeug für Basketball, Kraft, Yoga, Jogging und Meditation. Und genau das war von Anfang an das Ziel: ein Werkzeug, das mitwächst, während es benutzt wird.
Manchmal reicht es schon, ein eigenes Problem ernst zu nehmen – und daraus entsteht nebenbei wieder ein kleines, lernreiches Projekt.
Dieses Projekt ist Teil der laufenden Arbeit von M2AIX – Experimente, private Tools und Konzepte, die nicht immer für Kunden entstehen, aber trotzdem erzählenswert sind.


